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Fotos für meine Geschichte

Meine Geschichte

Spinne am Abend

Könnt ihr euch noch an das letzte Jahr erinnern. Jeden Sonntag habe ich versucht ein Foto/Wort für meine Geschichte zu veröffentlichen. Dies fand im Rahmen der Story Pics statt. Die Story Pics war eine schöne Foto-Blog-Parade, die Sandra auf ihrem Blog always sunny durchgeführt hat.

Insgesamt konnte ich 51 mal teilnehmen. In der letzten Woche habe ich nun „meine“ Fantasie Geschichte erhalten. Vielen Dank an meine Schreiberlinge hierfür. Ich habe mich wirklich sehr über die Geschichte gefreut. Und während die anderen nur einen Geschichtenschreiber ihr Eigen nennen konnten, durfte ich mich über eine Gemeinschaftsarbeit freuen.
Wenn ich mir so meine Wortliste anschaue… war das schon alles ein wenig konfus. Eine Richtung bei der Wortausfall konnte man hier wirklich nicht feststellen.
Aber schaut doch mal selber.
Hier meine Wortliste.

Freundeskreis, Kniefall, Schiffsglocke, Blumenstrauß, Gruft, Stern, Kruste, Pharao, Wesen, Kampfausrüstung, Wattenmeer, Frühlingsgruß, Zeit, Hass, Pranger, Wünsche, Knall, Kirchturmspitze, Prinz, überrascht, Mondstein, Gänseblümchen, Unwetter, Verletzung, Feuer, Abendrot, Kanone, Hitze, verblüht, Kirsche, Heißluftballon, Regenbogen, Schutzengel, Qualle, einsam, Sonnenblume, Vollmond, Wasserfall, Wasserversorgung (Aquädukt), Stausee, Zeit, Kaffeepause, Tradition, Ausruhen, besinnlich, Ausschau, Spinne, Wetterfahne

 

Fotos für meine Geschichte

Einige meiner Story Bilder

Spannung…. und hier geht es nun zu meiner Geschichte.

 

Spinne am Abend

Ausgeruht saß sie auf ihrer geliebten Hollywoodschaukel und blickte ins Abendrot, als eine Spinne sich langsam am Holzbalken neben ihr nach unten abseilte.
‚Gut, dass du da bist‘, dachte sie ein wenig zerstreut. „So habe ich wenigstens Gesellschaft, wenn der angekündigte, alles übersteigende Nachthimmel sich zeigen wird. Sie haben eine der klarsten Vollmondnächte aller Zeiten vorhergesagt, mit einem Sternenhimmel, den wir so schnell nicht mehr zu sehen bekommen.“
Karin schüttelte belustigt den Kopf. Sie redete mit der Spinne als sei sie ein geeigneter Gesprächspartner. Es wurde Zeit, dass ihre Familie aus dem Kurzurlaub in der Türkei zurückkam, an dem sie wegen geschäftlicher Belange leider nicht hatte teilnehmen können. Dabei war es eigentlich zu einer liebgewonnenen Tradition geworden, im April gemeinsam für ein paar Tage auszuspannen. Sie ärgerte sich im Nachhinein, die anstehenden Aufgaben nicht delegiert zu haben, schließlich war jeder Mensch ersetzbar, und es wäre kein Beinbruch gewesen, mal jemand anderen ranzulassen.
„Wenigstens kommen wir in den Genuss des herrlichen Himmelszeltes und können so auch ein wenig ausruhen“, erklärte sie dem achtbeinigen Mitbewohner und schaukelte entspannt hin und her.

Ein Knall schreckte sie auf. Vor lauter Schreck war sie von der Schaukel gesprungen und schaute angespannt in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. An der Kirchturmspitze, die sie wegen der rasch einsetzenden Dunkelheit nur noch schemenhaft erkennen konnte, hing etwas, was vorher noch nicht zu erkennen gewesen war.
„Ich denke es wird Zeit, hinüber zu gehen und herauszufinden, ob ich helfen kann“, murmelte Karin vor sich hin, nahm ihre Jacke vom Hocker neben sich und verließ das Grundstück durch das Tor im Garten.

Sie überquerte die Straße und nahm den Weg durch die kleine Gasse, eine Abkürzung in Richtung zur Fußgängerzone. Ein ihr vertrauter Weg, den sie immer ging, wenn sie irgendetwas in der Stadt zu erledigen hatte. Abends war hier alles wie ausgestorben, und obwohl sie kein ängstlicher Mensch war, dachte sie an die Meldungen der letzten Tage in den Nachrichten, die sie doch verunsichert hatten. Im Freundeskreis hatten sie lange diskutiert, ob solche Attentate nicht auch hier passieren könnten. „Die Kirche könnte ja durchaus auch Ziel eines Angriffs sein!“, dachte sie flüchtig. Zu oft hatte auch sie sich in der Vergangenheit geärgert, dass in der heutigen Zeit immer noch Menschen an den Pranger gestellt werden und damit doch nur der Hass geschürt wird. Während sie sich der steinernen Mauer, die den Kirchhof umgab, näherte, kam Karin in den Sinn, dass sie mit ihren Freundinnen früher oft dort gespielt hatte, und wie fasziniert sie waren von der großen, alten Gruft.
Niemand hatte ihnen erklären wollen, was es damit auf sich hatte, und so hatten sie sich ausgemalt, dass dort unten ein Pharao begraben wäre, und nur sie dieses Geheimnis kennen würden. Sie hatten sich Kränze aus Gänseblümchen ins Haar gebunden, hatten getanzt, und in ihrer Phantasie waren sie seine Schutzengel.
Sie war in Gedanken ganz versunken in den Geschichten ihrer Kindheit und wünschte sich, heute noch etwas von dieser kindlichen Unbeschwertheit zu besitzen. Plötzlich wurde ihr wieder bewusst, warum sie eigentlich unterwegs war, und sie beschleunigte ihren Schritt. Inzwischen hatten sich einige Leute vor der Kirche versammelt und deuteten aufgeregt auf die offenbar abgeknickte Wetterfahne an der Spitze des Turmes …

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Wie hatte das nur passieren können? Das angekündigte Unwetter war doch eigentlich, bis auf einen leichten Regen mittags, vorbeigezogen und hatte nur einen schönen Regenbogen hinterlassen, den sie in ihrer Kaffeepause ausgiebig bewundert hatte, und sich deshalb genau daran erinnerte. Alle waren ratlos aber erleichtert, dass es zu keinen Verletzungen gekommen war.
Man redete noch ein paar Sätze und überlegte, wie teuer diese Reparatur jetzt wieder werden würde, und ob man vor dem Wochenende überhaupt noch einen Handwerker kriegen konnte, der in der Lage war, den Schaden zu beheben.

Von allen unbemerkt, erschienen in der Dunkelheit ein paar Gestalten in voller Kampfausrüstung, die eine alte Kanone hinter sich herzogen, aus der plötzlich mit einem lauten Knall ein riesiges Feuer sprühte, welches auf der Stelle den gesamten Kirchhof erhellte. Genau dieses Geräusch hatte sie doch vorhin aufschrecken lassen, und nun versetzte es hier alle in Panik. Mit lautem Geschrei versuchte jeder sich in Sicherheit zu bringen, nur 2 alte Leute machten einen Kniefall und bekreuzigten sich.

Sie glaubte, ihren Augen nicht trauen zu können: Das hatte sie vorher gar nicht bemerkt. An der abgeknickten Wetterfahne hing ein Heißluftballon. Die Leute um sie herum sahen genau so überrascht aus wie Karin. Im Korb des Heißluftballons konnte sie ein menschliches Wesen erkennen, zumindest sah es so aus. Aber man konnte ja nie wissen, was so vom Himmel fällt, dachte Karin bei sich.
Das scheinbar menschliche Wesen stieg aus dem Korb und bahnte sich einen Weg durch die staunende Menge. Karin hörte lauter „Ahs“ und „OHs“, was sie sich zuerst nicht erklären konnte. Sie hielt Ausschau nach dem Wesen und stellte fest, dass am Ende der Gasse, die sich bildete, sie stand. Was war hier los?
Die Menge vor ihr teilte sich weiter und plötzlich stand er vor ihr. Ein ER, eindeutig, das sah sie ganz deutlich. Mehr noch, sie erkannte in ihm den Prinzen wieder, der in ihrer Jugendzeit durch ihre Träume und Wünsche für ihr zukünftiges Leben gegeistert war. Er war auch königlich gekleidet, das erklärte die Ausrufe der Menge. Ihr wurde ganz heiß und sie hatte das Gefühl, als wenn in ihrem Kopf eine Schiffsglocke dröhnen würde. Durch das dumpfe Dröhnen hörte sie plötzlich seine Stimme, und nur seine Stimme, denn die Menge um sie herum war plötzlich muckmäuschenstill.

„Liebe Karin“, sprach er mit einer sehr wohlklingenden tiefen Stimme, „nach einer langen, einsamen Reise durch mehrere Zeiten habe ich dich, mein Herz, nun endlich gefunden!“

Und mit dem Schnipsen seiner Finger erblühte in seiner Hand ein wundervoller Blumenstrauß, in dessen Mitte sich eine Sonnenblume befand, um die herum sich Zweige mit den zarten Blüten der japanischen Kirsche befanden. Karin streckte die Hand nach diesem Frühlingsgruß aus einer anderen Welt aus und spürte, wie ihr die Hitze der Verlegenheit ins Gesicht stieg. Da ergriff der Prinz ihren rechten Ringfinger und steckte ihr einen Ring mit einem großen Mondstein an. Im gleichen Moment gab es einen erneuten Salutschuss aus der Kanone, der nun aber niemanden mehr erschreckte, sondern die Menschen in lauten Jubel ausbrechen ließ. „Sollte das jetzt so etwas wie eine Hochzeit sein?“, fragte sich Karin. Da fühlte sie sich von zwei starken Armen in die Höhe gehoben und der Prinz schwebte mit ihr hinauf zum Kirchturm, hinein in die Gondel des Ballons. Wenig später folgen sie auch schon in den Nachthimmel und allein der Mond war ihr Begleiter. Der Mond – er zog sie förmlich an, denn sein Licht brach sich tausendfach im Mondstein von Karins Ring und schuf eine silberne Verbindung zwischen ihr und dem Trabanten.

Karin genoss den Flug und fand es einfach nur logisch, dass sie in den Armen des Prinzen sanft auf der Mondoberfläche landete. „Dies ist mein Reich“, sagte dieser. „Du bist meine Mondprinzessin.“ Karin hatte nichts dagegen einzuwenden und sah sich erstmal um. Sie waren neben einem Wasserfall gelandet, der sich aus einem Stausee in die Tiefe stürzte und im Nichts verschwand. „Was für eine Verschwendung“, dachte Karin. Hier könnte man doch wunderbar die Wasserversorgung organisieren und ein Aquädukt zur Verteilung des Wassers anlegen. Statt blühender Landschaften sah sie nämlich am Boden nur eine Kruste aus getrocknetem Schlamm, wie man sie vom Wattenmeer kennt, wenn es während der Ebbe zu heiß ist. Aber sie hatte keine Zeit, sich lange darüber Gedanken zu machen, denn irgendetwas krabbelte über ihre Hand. Um sich zu kratzen, ließ sie den Prinzen kurz los. Wie staunte Karin, als sich dieser in mondhellen Nebel auflöste und alles um sie herum in diesem hellen Nebel versank. Ja, es war eine milchige Welt, durch die diffus der Vollmond leuchtete. Karin schaute auf ihre Hand und sah gerade noch eine Spinne über die Hollywoodschaukel davonkrabbeln. Die hatte sie also gejuckt und damit aus ihren süßen Träumen gerissen. Von einem Prinzen war natürlich weit und breit keine Spur und die besinnliche Vollmond- und Sternenbeobachtung konnte sie auch knicken, nachdem es dermaßen neblig geworden war, während ihres Schläfchens voller romantischer Träume. Wie die Arme einer Qualle wanderten die Nebelschwaden über den spektakulären Nachthimmel. Auf der Suche nach ihrer Jacke tastete Karin mit der Hand neben sich auf dem Sitz der Hollywoodschaukel herum. Dabei fand sie eine verblühte Sonnenblume und eine verschwommene Erinnerung an einen Traum stieg in ihr hoch. Wo kam nur die Blume her?

 

Nochmals herzlichen Dank für meine schöne Geschichte.

 

3 Kommentare

  1. Pingback: Story-Pics, zwei Schreiberlinge packen aus

  2. Liebe Karin,

    die Entstehung deiner Geschichte war war wirklich besonders. Zuerst warst du mit auf meiner Liste. Du hattest Fantasie gewählt und bei dem Genre war bei mir so langsam die Luft raus. Ich schrieb den Anfang und zeigte ihn der Gruppe. Danach kam echt Dynamik rein und jeder tat etwas dazu. Plötzlich war es ganz leicht und Ruckzuck waren wir fertig und mit dem Ergebnis so wie du richtig zufrieden ♥

    Liebe Grüße
    Sandra

    • Witzig… ist auf jeden Fall eine tolle Geschichte geworden. Aber auch die anderen Storys, die ich bislang gelesen haben sind super. lg